Dekompression ist das Verringern eines Druckes, beim Tauchen also die Phase des
Tauchaufstieges. Während des Abstieges und der Grundzeit (Bottom-time) hat sich der
Körper mit gelösten Gasen aufgesättigt. Diese müssen beim Auftauchen wieder langsam
abgegeben werden. Erfolgt dies zu schnell, perlen die Gase wie beim öffnen einer
Sprudelflasche aus.
http://gandalf.iap.physik.uni-tuebingen.de:80/kern/members/NSNgroup/Gross/net2.html
Harald Tekkiseiten zeigen die Formeln.
Diese Zusammenfassung beruht auf meinem Vortrag zur G-Tech-Konferenz im Mai 99 und wurde um die Theorie erleichtert ;-)
Mir geht es fast ausschließlich um die praktischen Aspekte der
Dekompression. Die Formeln sind zwar nett und gut, aber alle diese Modelle haben Ihre
Grenzen und sind teilweise gegensätzlich ausgerichtet.
So will das Bühlmannsche Modell den Taucher schnell an die Oberfläche bringen, um kein
zusätzliches Gas aufzunehmen. Die Blasenmodelle wollen den Taucher aber eher langsam
hochbringen um die Mikroblasen möglichst klein zu halten ! Insbesondere sollen die
folgenden Empfehlungen den Tauchern ans Herz gelegt werden, die sich jenseits des
Sporttaucherlimits bewegen.
Es geht hier darum Tips zu einer verbesserten Dekompression nach modernen Gesichtspunkten
zu geben. Natürlich lehne ich jegliche Haftung für alle meine Aussagen strikt ab und
empfehle niemanden meine Hirngespinste ernsthaft umzusetzen. Gleichwohl kann ich
versichern, dass ich es ausprobiert habe und auch bei einigen Tauchern via
Doppleruntersuchungen (Ultraschallmessungen von Blasen in den Blutgefäßen) verifiziert
habe.
Wer mehr zur Theorie wissen möchte, kann auch auf http://www.tauchen.de
nach Kai Schröder´s/ Steffen Reith´s Seiten schauen. Auch auf http://www.abysmal.com
finden sich interessante Seiten zu den verschiedenen Dekompressionsmodellen (auf
englisch).
Die Zuführung von ausreichenden Flüssigkeitsmengen vor dem Tauchgang sorgt für eine
effektive Deko durch "verdünntes" Blut und ausreichend Volumen. Es sollten vor
dem Tauchgang isotonische Flüssigkeiten wie Apfelsaftschorle, Isostar etc. getrunken
werden. Der morgendliche Kaffee wird durch Caro oder andere nicht Koffein-haltige
Getränke ersetzt. Aus eigener Erfahrung empfehle ich Fruchtsäfte von Zitrusfrüchten
(Orangensaft, usw.) vor Bootsausfahrten zu meiden, da diese den Magen reizen. Die Zufuhr
von Flüssigkeiten sollte einige Stunden (4-6h) vor dem TG bereits beginnen. Wenn wir in
die Schweiz fahren, trinke ich morgens schon 0,5l Apfelsaftschorle und dies wird dann
während der Fahrt fortgesetzt. Am Tauchplatz angekommen erkennt man am dann
durchsichtigen, klaren Urin, dass man ausreichend aufgefüllt( hydriert) ist.
Wegen der Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr ist ein Pinkelventil auch unerläßlich (oder
Windeln), da Taucher sonst oftmals nichts trinken, damit Sie kein Pipi machen müssen.
Natürlich kann und sollte auch während der Dekompressionsphase getrunken werden.
Eigentlich sogar während des gesamten Tauchgangs. Camelbags oder squeezebare
Sportlerflaschen bieten sich hier an. Selbstverständlich sollten es aber keine
alkoholischen Getränke sein !
Ein PFO (patent foramen ovale) ist ein Loch in der Herz-Scheidewand, welches bei 10-30%
der Bevölkerung vorhanden ist. Dieses Loch wird vor der Geburt dazu verwendet den
Lungenkreislauf kurzzuschließen, da die Lunge ja nicht benötigt wird. Schließt sich
dieses Loch gar nicht, oder nur unzureichend, kann es während der Deko zum Übertritt von
Gasblasen aus dem venösen in den arteriellen Kreislauf kommen und somit insbesondere eine
DCS Typ II (mit neurologischen Symptomen) ausgelöst werden. Beim technischen Tauchen ist
diese Gefahr so bedeutend, dass ich dringend empfehlen würde eine solche Untersuchung
machen zu lassen und wenn ein PFO festgestellt wird, sollten nur noch blasenarme Profile
getaucht werden !
http://tauchen.lake.de/druckkam/pfo-dt.htm
ist ein Abriß über die Studie in Heidelberg von Ries und Knauth.
Die etablierten TECH-Verbände sollten diese Untersuchung endlich zur Pflicht
für technische Tauchkurse machen. Diese schmerzlose Untersuchung muss endlich
zur Standarduntersuchung der Tauchtauglichkeit werden !
Der ideal zu dekomprimierende Mensch ist sicher ein Triathlet ohne Vorerkrankungen,
also ein perfekter Ausdauersportler. Na gut, er braucht auch noch ein bissl Kraft um seine
Doppel-20 und die Stagetanks zu schleppen... aber viel wichtiger ist ein gut ausgeprägtes
Kreislaufsystem.
Die Frage nach dem optimalen Gewicht läßt sich hier schwerer beurteilen. Es gibt sogar
Studien, welche keinen Zusammenhang zwischen Übergweicht und DCS aufzeigen. Dieser Punkt
ist aber sehr umstritten und dient wohl nur der Rechtfertigung meiner 10kg zuviel ! Ich
denke aber, es versteht sich von selbst, dass ein trainierter Mensch nicht über
Gebühr fett ist. Für das technische Tauchen wird ein Ausdauertraining von mindestens
3x20Minuten pro Woche empfohlen.
Auch der Genuß von Tabak und anderen Drogen sollte ausbleiben. Rauchen hat sicherlich
eine nachteilige Wirkung auf die Lungenfunktion und insbesondere deren Schutzmechanismen.
Es ist wichtig, dass der Taucher insbesondere in der Dekophase sich warm fühlt.
Ansonsten verengen sich die peripheren Blutgefäße (Haut und Extremitäten) um den
Körperstamm zu wärmen. Hierdurch kommt es in diese Arealen zu einem verminderten
Gasaustausch und damit zu schlechter Dekompression. Wärmt sich der Taucher nach dem TG
auf, weiten sich die Blutgefäße und es kann zu DCS I kommen.
Für eine effektive Dekompression ist es daher wichtig, sich warm zu halten. Dazu gehört
Funktionsunterwäsche, gute Uunterzieher und Argon zum Belüften. Auch während des
Deko zu schwimmen ist von Vorteil. Bei sehr langen Tauchgängen muss aktiv
Wärme zugeführt werden.
Die beste Schwimmlage während der Deko ist, genau wie während des TGs, die
horizontale Lage. Der Grund hierfür ist ein möglichst kleiner Druckunterschied innerhalb
des Körpers und vor allem der Lunge. In der Senkrechten ist durch dieses Druckgefälle
die Austauschfläche verringert und somit auch der Gasaustausch. Die beste Idee ist es,
sich gemütlich schwimmend fortzubewegen. Das oftmals durchgeführte "Hängen"
am Seil ist zu vermeiden, insbesondere, eine ständige Halteposition oder das Festhalten
bei Seegang. Hierzu muss dann eine Jon-Line verwendet werden. Die Unsitte das Seil in der
Armbeuge einzuklemmen führt unweigerlich zu einer Minderdurchblutung dieser Extremität
und damit zu einer verschlechterten Deko.
Logo, dass die Tiefe einigermaßen gehalten werden sollte.
Schauen wir uns zunächst die oft zitierten Vorteile an: Man muss nicht so penibel die
Tiefe halten können wie bei reinem O2. Wer das nicht kann, hat auch mit EAN80 nicht zu
dekomprimieren, sondern sollte evtl. ein Tarierungsspecialty besuchen ;-). Es wäre im
Meer sicherer, da die Wellen sonst sich noch zu dem Druck addieren würden und dann O2 zu
gefährlich sei. Das ist einfach Quark, ein Blick auf den Tiefenmesser zeigt dies. Man
kann mit reinem O2 füllen und dann den Druck steigern, weil noch etwas Luft draufgepresst
wird. Das stimmt, aber auch 180bar O2 reichen locker aus. Der 9m Stop wird ja dafür noch
mit dem EAN50 gemacht.
Auch ist es logistisch viel einfacher lediglich den Sauerstoff überströmen zu lassen und
schon ist die Pulle wieder voll. Trotzdem sollte man das Gemisch sicherheitshalber
analysieren.
Zu den Vorteilen bei der Deko mit reinem O2 versus EAN80:
Der 6m Stop gehört schon zu den längeren und gerade in diesem Punkt des TG ist es
wichtig hier jetzt den maximalen Wash-out von anderen Gasen zu haben. Da O2 ausser O2 kein
anderes Gas enthält ist der Konzentrationsgradient maximal und die Blasen werden klein
gehalten und eine effektive Deko gefördert. Wer die Thematik Oxygen-Window in diesem
Zusammenhang nachlesen möchte, dem sei Bove et al empfohlen.
Die Nachteile der Vasokonstriktion werden durch Gas-Breakes alle 15-20 Minuten für 5
Minuten gemildert. In der Realität sind diese Unterbrechungen so gut, dass Sie nicht
später an den Dekoplan angehängt werden müssen ! Dazu später mehr.
Die erhöhte CNS% ist der Preis für eine effektive Dekompression. Auch hierfür sind
Gas-Breakes wichtig. Man stirbt beim Erreichen der 100% genauso wenig, wie man dies bei
Tauchgängen jenseits der 40m tut. Ich bin also nicht der Meinung, dass wenn man einen TG
mit 110% berechnet man dann lieber auf EAN80 wechselt, damit wieder unter 100% liegt, aber
die Dekompression weniger effektiv wird. Trotzdem gilt natürlich grundsätzlich die
Regel, dass man Bends eher überlebt als eine akute O2-Vergiftung.
Als letzter Punkt sei noch angemerkt, dass man mit dem reinen O2 auch das optimale
primäre Mittel zur Behandlung eines Dekounfalls sofort bei sich hat !
Wie bereits im Punkt 8 angesprochen ist die akute Vergiftung des zentralen Nervensystems durch O2 ein kritischer Punkt. Man stirbt jedoch nicht daran, sondern am Ertrinken durch das Ausspucken des Atemreglers. Die 100% sind definiert über die Einwirkungszeit und den pO2. 100% sind bei reinem O2 auf 6m in 45Minuten erreicht. Dies ist relativ willkürlich festgelegt. Taucher überstehen regelhaft auch einige tausend ZNS% und einige toxen bereits bei 80%. Ich möchte hier keine prinzipielle Abhandlung darüber schreiben, nur sollte man diesem Wert in der Planung Rechnung tragen, aber keinesfalls versuchen mit der Brechstange unter 100 zu kommen. Aus der Praxis heraus empfiehlt es sich während der Bottom-Time den pO2 auf 1.2 oder kleiner zu senken um sich quasi eine Reserve für die Deko aufzubauen. Während der Deko soll sich zwar bewegt werden, heftige Anstrengungen sind jedoch nicht nur zur Vermeidung von DCS wichtig, sondern auch um einen Krampfanfall vorzubeugen. Bei ersten Anzeichen einer Vergiftung (Zucken im Gesicht, plötzlicher Gesichtsfeldverlust (Rotsehen)) muss sofort auf das Gas mit dem geringsten pO2 welches in dieser Tiefe noch atembar ist gewechselt werden. Dies kann durchaus auch das Trimix sein ! Durch geeignete Breakstrategien kann dem Krampfanfall entgegen gewirkt werden.
Laut den klassischen Gewebemodellen ist Helium im Bereich der kurzen Tauchgänge eher
nachteilig durch seine hohe Sättigungsgeschwindigkeit. Diese ist mehr als 2,6 mal so
schnell. Also berechnen die meisten Programme eine längere Dekompression im Vergleich zu
Luft. Es gibt zu Helium im Grundgemisch einige Anmerkungen: Homöopathische Dosen (kleiner
als 30%) sind unwirksam, es sollte eine END von 20-30m berechnet werden. Helium
dekomprimiert sich in der Praxis wesentlich leichter als Stickstoff. Wenn es jedoch zu
Bends kommt fallen diese im allgemeinen wohl etwas übler aus. Viele Taucher haben Angst
vor Helium und experimentieren daher zunächst mit sehr geringen Anteilen (10-20%). Das
habe ich früher natürlich auch gemacht. Faszinierend ist es jedoch einen Tauchgang auf
z.B. 60m zu machen und dabei 50% Helium im Atemgas zu haben. Da dies eine Tiefe ist, in
der viele Taucher auch mit Luft schon waren, ist es geradezu merkwürdig wie klar man im
Kopf ist. Schnell stellt man auch fest, dass sich He-reiche Gemische unter Druck sehr viel
leichter atmen lassen (Strömungen bleiben noch laminar). Dies führt zu besserer Füllung
der Lunge und daher hat der Taucher eine effektive Atmung und eine gute CO2-Abgabe. Das
Atmen ist auch wenig anstrengend. Extrem deutlich werden alle diese Faktoren, wenn man in
dieser Tiefe mal heftig gegen Strömung anschwimmen mußte. Mit Trimix wird das einfach,
mit Luft gefährlich.
Da Helium schnell rein geht, geht es auch schnell wieder raus. Daher läßt es sich sehr
einfach wieder abatmen. Es ist inzwischen allgemein akzeptiert, dass die
Bühlmann-Tabellen für Helium auch ohne zusätzlichen Konervativ-Faktor schon als recht
konservativ zu gelten haben. Oder auf deutsch:
Je mehr Helium, desto besser. Die Trends gehen eindeutig in diese Richtung, jedoch fehlen
hier die wissenschaftlichen Beweise. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass immer
mehr TG in der Offshore-Industrie durch ROVs gemacht werden und das Militär sich bedeckt
hält.
Wenn mit reinem O2 dekomprimiert wird (siehe Punkt 8), dann sollte der letzte Stop
hauptsächlich auf 6m durchgeführt werden. Der Grund hierfür sind die kleineren Blasen
und der hohe pO2 (Oxygen-Window). Da ja keinerlei Inertgase mehr geatmet werden, nehmen
wir auch kein weiteres Gas auf. Die letzten 10 Prozent der 6m Deko wird dann auf 3m
gemacht. Die Aufstiegsgeschwindigkeiten sind hierbei zu beachten. (siehe Punkt 12).
Es sei noch angemerkt, dass man wenn immer möglich nie die tiefen Dekostops auslassen
sollte. Lieber beim Verlust eines Gases (z.B. des EAN50) mit dem Trimix so weit wie
möglich ausdekomprimieren. Das Auslassen der tiefen Stops führt zu den schwierigen DCS
Fällen.
Im allgemeinen kann man sagen, dass Fehler die auf Tiefe begangen werden, während der
flachen O2-Deko fast nicht mehr korrigiert werden können.
Die Auftauchphase vom O2-Stop (6m im Wasser, 9m im Habitat) sollte ebenfalls
recht langsam erfolgen. Bei Sättigungsprofilen auch durchaus 30Minuten oder
mehr. Im Wasser stehend erfolgt dann die letzte Phase des Abatmung des Heliums.
Siehe dazu Punkt 12 !
Die Aufstiegsgeschwindigkeiten sind extrem wichtig. Tatsächlich sehe ich Diese als einzig echten Nachteil des Heliums an (ausser dem Preis). Eine Aufstiegsgeschwindigkeit von mehr als 10m/Minute kann nur in den unteren 20% des Tiefenprofils gelten. Generell wird aber empfohlen KEINE Aufstiegsgeschwindigkeiten von mehr als 10m/Min zu verwenden. Im Bereich der O2-Deko sollte die Geschwindigkeit maximal so bei 0,5m/Minute liegen.
Letztendlich kann man komplette Dekompression ja nur als einen extrem langsamen Aufstieg ansehen.
Deep-Stops gibt es heute in 3 Ausprägungen. Zuerst durch extrem verlangsamte
Aufstiegsgeschwindigkeiten. Die zweite Möglichkeit sind die sogenannten Pyle-Stops,
benannt nach dem Forscher Richard Pyle. Die dritte Möglichkeit sind die sogenannten
WKPP-Stops, benannt nach dem Woodville Karst Plain Project.
Die Frage ist, wie tief kann man mit der Dekompression beginnen ? Eine Faustformel besagte
früher: Auf der Hälfte der Differenz aus der Grundtiefe und des niedrigsten
"normalen" Stops. Heute geht man soweit zu sagen, dass man bereits auf 80% der
Tiefe anfängt zu dekomprimieren. Natürlich nimmt man hier noch zusätzlich Gas
auf, also würde eigentlich die Deko verlängern, aber man baut bereits auch in einigen
Geweben Gas ab und verringert vor Allem die Mikroblasenbildung. Die Dauer der Stops
reichen von einigen Sekunden bis in den "mehrere" Minuten-Bereich.
Insgesamt kann man durch die Verwendung von Deep-Stops die Zeit auf den flachen Stops
deutlich verkürzen (fast halbieren). Leider gibt es hierzu wenig wissenschaftliches
Material, da die Anzahl der Taucher die hier Kaninchen spielen wollen recht gering ist.
Wenn mich jemand nach einer Formel für WKPP-Stops fragt, so antworte ich meist:
Kratz Dich am Hintern, achte auf den Buddy, mache es Dir bequem, achte auf den
Buddy und weiter gehts.
Für die die unbedingte ne Formel wollen: Grundzeit in Minuten sind Deepstops in
Sekunden.
Unmittelbar nach dem Auftauchen sollte man erst mal an der Oberfläche ein paar Minuten
relaxen und das Wasser nicht sofort verlassen (Es sei denn es ist Mega-Wellengang). Es
soll dabei von Vorteil sein, dass die unteren Extremitäten dabei noch unter einem
gewissen Druck stehen. Wenn möglich, das Equipment am Ufer ablegen, erst mal ne Pause
machen und viel trinken. In dieser Zeit den eigenen Körper auf DCS-Symptome überwachen.
Ich möchte hier jetzt keine Diskussion über IWR (In Water Recompression)
lostreten, aber den Anzug anzubehalten
ist sicher von Vorteil ;-)
Circa 20-30 Minuten nach dem TG erreichen die Blasen Ihr Maximum. Es sollte auf gar keinen
Fall ein kurzer Bouncedive unternommen werden, um z.B. Stagetanks zu bergen. Auch kein
Apnoetauchen. Hierbei würden die Blasen geschrumpft werden, könnten dann die Lunge
passieren und auf der arteriellen Seite wieder Hallo sagen. Sinnvoll ist es auch, sich das
Tauchgangsprofil und die Deko zu notieren, damit man mit der Zeit eine Sammlung von
funktionierenden Dekos hat. Hierzu bieten sich auch wasserfeste Notizbücher, sogenannte
Wetnotes an.
Zunächst sollte man sich die Frage stellen, warum man die Deko verkürzen möchte.
Verhungert ist unter Wasser ja noch niemand. Allerdings gibt es Grenzen für eine lange
Dekompression, wie zum Beispiel Kälte, Gasvorrat, Notfälle, etc. Je länger und tiefer
die Tauchgänge werden und je kälter das Wasser wird, desto mehr nervt die unsäglich
lange Dekompression. Eine Berechnung mittels eines Standard-Bühlmann ist sicher
ausreichend konservativ bei Berücksichtigung aller oben genannten Hinweise. OK, wir
wollen es trotzdem schneller haben ?
Hier bleibt nur die Kürzung des letzten Stops. Man berechnet die Deko mit reinem O2 auf
6m und mit 6m als letzten Stop. Diesen Stop kann man dann um 1/3 kürzen. Von den
verbleibenden 2/3 zieht man die letzten 10% auf den 3m Stop. Je mehr man kürzt, um so
stärker muß die Aufstiegsgeschwindigkeit verringert werden. Auch Punkt 14 wird immer
wichtiger. Ich habe mich bisher nicht getraut die tieferen Stops zu kürzen, da mir hier
die neurologischen Symptome zu gefährlich sind. Es wird im Allgemeinen auch davon
abgeraten ! Wer auch immer Deko kürzen möchte, sollte sich langsam dorthin vortasten.
Die Wahrscheinlichkeit dafür "bestraft" zu werden steigt sicher an, es ist aber
machbar und genau um diese Risikoabschätzung geht es hier.
Wird die Deko über sogenannte Gradient-Faktoren geregelt, so haben wir gute
Erfahrungen mit 0,1 für GFLo und 1,2 für GF Hi gemacht.
Ja klar ! Kommerzielle- und militärische Taucher tauchen auf, obwohl Sie
dekompressionspflichtig sind und begeben sich dann an der Oberfläche in eine Kammer um
sich wieder rekomprimieren zu lassen. Im Allgemeinen gibt man Ihnen dazu ca. 5Minuten
Zeit. Wenn man also seine O2-Stage verloren hat und sich aber sicher ist, daß auf dem
Boot eine Ersatzflasche ist, kann man ganz normal mit den Nitroxgemischen bis zum 6m Stop
dekomprimieren und sollte dies auch tun. Beim Erreichen des 6m Stops taucht man ganz
langsam bis zur Oberfläche auf, gibt den Leuten auf dem Boot Bescheid und taucht wieder
ab (auf 6-9m). Hier wartet man dann (am besten an einer Boje/Hebesack) bis man das O2
bekommt. Ich habe diesen Vorgang schon öfter in Seen praktiziert, um mir ein langes
Schwimmen an der Oberfläche zum Ausstieg zu ersparen. Bei anschließenden Dopplertests
wurden keine vermehrten Blasen gehört. Die aufgetauchte Zeit wird an die Dekozeit
angehängt.
Das Verständnis dieser Möglichkeit des Auftauchens ist insbesondere bei Notfällen
wichtig. Man kann seinen verunfallten Buddy (z.B. OxTox) problemlos nach oben weitergeben,
das Boot informieren und dann wieder abtauchen. 5 Minuten sind sicher viel, aber 2-3
Minuten problemlos machbar.
Istotonische Muskelanspannungen über einen längeren Zeitraum, also sich irgendwo festklammern zum Beispiel, da sonst der Gasaustausch behindert wird. Husten, Pressen und Druckausgleich durch Valsalva-Manöver, weil sich sonst Gasblasen in den arteriellen Bereich durchmogeln können. Untätiges Rumhängen, wenn die Grundzeit anstrengend war. Es ist dann wesentlich effektiver gemütlich hin und her zu schwimmen und kleinere Lockerungsübungen zu machen. Und natürlich sollte alles vermieden werden, was zu einem Abbruch der Deko führen könnte, wie z.B. seinem Buddy die Ventile zuzudrehen, um zu sehen, ob er schnell genug reagiert. ;-)