Praktische Tips zur effektiven und auch schnelleren Dekompression,
insbesondere bei technischen Tauchgängen mit Mischgasen

Inhaltsverzeichnis

  1. Was versteht man unter Dekompression ?
  2. Worum geht es bei dieser Webseite ?
  3. Warum ist trinken so wichtig ?
  4. Sollte man sich vorher auf ein PFO untersuchen lassen ?
  5. Wie sieht es mit der körperlichen Konstitution aus ?
  6. Welche Rolle spielt die Temperatur ?
  7. Wie ist die optimale Position während der Deko ?
  8. Warum ist Nitrox 80/20 inzwischen verpönt ?
  9. Wie kritisch sind die ZNS% ??
  10. Welche Vorteile bietet ein hoher Heliumgehalt ?
  11. Auf welcher Tiefe ist der letzte Stop zu machen ?
  12. Wie wichtig sind die Aufstiegsgeschwindigkeiten ?
  13. Was sind Deep-Stops ?
  14. Wie verhalte ich mich nach dem Tauchgang ?
  15. Gibt es Faustformeln zur Verkürzung der Deko ?
  16. Kann ich während der Deko mal kurz auftauchen ?
  17. Was sollte man während der Deko vermeiden ?

 


1 Was versteht man unter Dekompression ?

Dekompression ist das Verringern eines Druckes, beim Tauchen also die Phase des Tauchaufstieges. Während des Abstieges und der Grundzeit (Bottom-time) hat sich der Körper mit gelösten Gasen aufgesättigt. Diese müssen beim Auftauchen wieder langsam abgegeben werden. Erfolgt dies zu schnell, perlen die Gase wie beim öffnen einer Sprudelflasche aus.
http://gandalf.iap.physik.uni-tuebingen.de:80/kern/members/NSNgroup/Gross/net2.html Harald Tekkiseiten zeigen die Formeln.

Diese Zusammenfassung beruht auf meinem Vortrag zur G-Tech-Konferenz im Mai 99 und wurde um die Theorie erleichtert ;-)

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2 Worum geht es bei dieser Webseite ?

Mir geht es fast ausschließlich um die praktischen Aspekte der Dekompression. Die Formeln sind zwar nett und gut, aber alle diese Modelle haben Ihre Grenzen und sind teilweise gegensätzlich ausgerichtet.
So will das Bühlmannsche Modell den Taucher schnell an die Oberfläche bringen, um kein zusätzliches Gas aufzunehmen. Die Blasenmodelle wollen den Taucher aber eher langsam hochbringen um die Mikroblasen möglichst klein zu halten ! Insbesondere sollen die folgenden Empfehlungen den Tauchern ans Herz gelegt werden, die sich jenseits des Sporttaucherlimits bewegen.
Es geht hier darum Tips zu einer verbesserten Dekompression nach modernen Gesichtspunkten zu geben. Natürlich lehne ich jegliche Haftung für alle meine Aussagen strikt ab und empfehle niemanden meine Hirngespinste ernsthaft umzusetzen. Gleichwohl kann ich versichern, dass ich es ausprobiert habe und auch bei einigen Tauchern via Doppleruntersuchungen (Ultraschallmessungen von Blasen in den Blutgefäßen) verifiziert habe.
Wer mehr zur Theorie wissen möchte, kann auch auf http://www.tauchen.de nach Kai Schröder´s/ Steffen Reith´s Seiten schauen. Auch auf http://www.abysmal.com finden sich interessante Seiten zu den verschiedenen Dekompressionsmodellen (auf englisch).

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3 Warum ist trinken so wichtig ?

Die Zuführung von ausreichenden Flüssigkeitsmengen vor dem Tauchgang sorgt für eine effektive Deko durch "verdünntes" Blut und ausreichend Volumen. Es sollten vor dem Tauchgang isotonische Flüssigkeiten wie Apfelsaftschorle, Isostar etc. getrunken werden. Der morgendliche Kaffee wird durch Caro oder andere nicht Koffein-haltige Getränke ersetzt. Aus eigener Erfahrung empfehle ich Fruchtsäfte von Zitrusfrüchten (Orangensaft, usw.) vor Bootsausfahrten zu meiden, da diese den Magen reizen. Die Zufuhr von Flüssigkeiten sollte einige Stunden (4-6h) vor dem TG bereits beginnen. Wenn wir in die Schweiz fahren, trinke ich morgens schon 0,5l Apfelsaftschorle und dies wird dann während der Fahrt fortgesetzt. Am Tauchplatz angekommen erkennt man am dann durchsichtigen, klaren Urin, dass man ausreichend aufgefüllt( hydriert) ist.
Wegen der Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr ist ein Pinkelventil auch unerläßlich (oder Windeln), da Taucher sonst oftmals nichts trinken, damit Sie kein Pipi machen müssen.
Natürlich kann und sollte auch während der Dekompressionsphase getrunken werden. Eigentlich sogar während des gesamten Tauchgangs. Camelbags oder squeezebare Sportlerflaschen bieten sich hier an. Selbstverständlich sollten es aber keine alkoholischen Getränke sein !

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4 Sollte man sich vorher auf ein PFO untersuchen lassen ?

Ein PFO (patent foramen ovale) ist ein Loch in der Herz-Scheidewand, welches bei 10-30% der Bevölkerung vorhanden ist. Dieses Loch wird vor der Geburt dazu verwendet den Lungenkreislauf kurzzuschließen, da die Lunge ja nicht benötigt wird. Schließt sich dieses Loch gar nicht, oder nur unzureichend, kann es während der Deko zum Übertritt von Gasblasen aus dem venösen in den arteriellen Kreislauf kommen und somit insbesondere eine DCS Typ II (mit neurologischen Symptomen) ausgelöst werden. Beim technischen Tauchen ist diese Gefahr so bedeutend, dass ich dringend empfehlen würde eine solche Untersuchung machen zu lassen und wenn ein PFO festgestellt wird, sollten nur noch blasenarme Profile getaucht werden !
http://tauchen.lake.de/druckkam/pfo-dt.htm ist ein Abriß über die Studie in Heidelberg von Ries und Knauth. 
Die etablierten TECH-Verbände sollten diese Untersuchung endlich zur Pflicht für technische Tauchkurse machen. Diese schmerzlose Untersuchung muss endlich zur Standarduntersuchung der Tauchtauglichkeit werden !

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5 Wie sieht es mit der körperlichen Konstitution aus ?

Der ideal zu dekomprimierende Mensch ist sicher ein Triathlet ohne Vorerkrankungen, also ein perfekter Ausdauersportler. Na gut, er braucht auch noch ein bissl Kraft um seine Doppel-20 und die Stagetanks zu schleppen... aber viel wichtiger ist ein gut ausgeprägtes Kreislaufsystem.
Die Frage nach dem optimalen Gewicht läßt sich hier schwerer beurteilen. Es gibt sogar Studien, welche keinen Zusammenhang zwischen Übergweicht und DCS aufzeigen. Dieser Punkt ist aber sehr umstritten und dient wohl nur der Rechtfertigung meiner 10kg zuviel ! Ich denke aber, es  versteht sich von selbst, dass ein trainierter Mensch nicht über Gebühr fett ist. Für das technische Tauchen wird ein Ausdauertraining von mindestens 3x20Minuten pro Woche empfohlen.
Auch der Genuß von Tabak und anderen Drogen sollte ausbleiben. Rauchen hat sicherlich eine nachteilige Wirkung auf die Lungenfunktion und insbesondere deren Schutzmechanismen.

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6 Welche Rolle spielt die Temperatur ?

Es ist wichtig, dass der Taucher insbesondere in der Dekophase sich warm fühlt. Ansonsten verengen sich die peripheren Blutgefäße (Haut und Extremitäten) um den Körperstamm zu wärmen. Hierdurch kommt es in diese Arealen zu einem verminderten Gasaustausch und damit zu schlechter Dekompression. Wärmt sich der Taucher nach dem TG auf, weiten sich die Blutgefäße und es kann zu DCS I kommen.
Für eine effektive Dekompression ist es daher wichtig, sich warm zu halten. Dazu gehört Funktionsunterwäsche, gute Uunterzieher und Argon zum Belüften. Auch während des Deko zu schwimmen ist von Vorteil. Bei sehr langen Tauchgängen muss aktiv Wärme zugeführt werden.

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7 Wie ist die optimale Position während der Deko ?

Die beste Schwimmlage während der Deko ist, genau wie während des TGs, die horizontale Lage. Der Grund hierfür ist ein möglichst kleiner Druckunterschied innerhalb des Körpers und vor allem der Lunge. In der Senkrechten ist durch dieses Druckgefälle die Austauschfläche verringert und somit auch der Gasaustausch. Die beste Idee ist es, sich gemütlich schwimmend fortzubewegen. Das oftmals durchgeführte "Hängen" am Seil ist zu vermeiden, insbesondere, eine ständige Halteposition oder das Festhalten bei Seegang. Hierzu muss dann eine Jon-Line verwendet werden. Die Unsitte das Seil in der Armbeuge einzuklemmen führt unweigerlich zu einer Minderdurchblutung dieser Extremität und damit zu einer verschlechterten Deko.
Logo, dass die Tiefe einigermaßen gehalten werden sollte.

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8 Warum ist Nitrox 80/20 inzwischen verpönt?

Schauen wir uns zunächst die oft zitierten Vorteile an: Man muss nicht so penibel die Tiefe halten können wie bei reinem O2. Wer das nicht kann, hat auch mit EAN80 nicht zu dekomprimieren, sondern sollte evtl. ein Tarierungsspecialty besuchen ;-). Es wäre im Meer sicherer, da die Wellen sonst sich noch zu dem Druck addieren würden und dann O2 zu gefährlich sei. Das ist einfach Quark, ein Blick auf den Tiefenmesser zeigt dies. Man kann mit reinem O2 füllen und dann den Druck steigern, weil noch etwas Luft draufgepresst wird. Das stimmt, aber auch 180bar O2 reichen locker aus. Der 9m Stop wird ja dafür noch mit dem EAN50 gemacht.
Auch ist es logistisch viel einfacher lediglich den Sauerstoff überströmen zu lassen und schon ist die Pulle wieder voll. Trotzdem sollte man das Gemisch sicherheitshalber analysieren.
Zu den Vorteilen bei der Deko mit reinem O2 versus EAN80:
Der 6m Stop gehört schon zu den längeren und gerade in diesem Punkt des TG ist es wichtig hier jetzt den maximalen Wash-out von anderen Gasen zu haben. Da O2 ausser O2 kein anderes Gas enthält ist der Konzentrationsgradient maximal und die Blasen werden klein gehalten und eine effektive Deko gefördert. Wer die Thematik Oxygen-Window in diesem Zusammenhang nachlesen möchte, dem sei Bove et al empfohlen.
Die Nachteile der Vasokonstriktion werden durch Gas-Breakes alle 15-20 Minuten für 5 Minuten gemildert. In der Realität sind diese Unterbrechungen so gut, dass Sie nicht später an den Dekoplan angehängt werden müssen ! Dazu später mehr.
Die erhöhte CNS% ist der Preis für eine effektive Dekompression. Auch hierfür sind Gas-Breakes wichtig. Man stirbt beim Erreichen der 100% genauso wenig, wie man dies bei Tauchgängen jenseits der 40m tut. Ich bin also nicht der Meinung, dass wenn man einen TG mit 110% berechnet man dann lieber auf EAN80 wechselt, damit wieder unter 100% liegt, aber die Dekompression weniger effektiv wird. Trotzdem gilt natürlich grundsätzlich die Regel, dass man Bends eher überlebt als eine akute O2-Vergiftung.
Als letzter Punkt sei noch angemerkt, dass man mit dem reinen O2 auch das optimale primäre Mittel zur Behandlung eines Dekounfalls sofort bei sich hat !

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9 Wie kritisch sind die ZNS%

Wie bereits im Punkt 8 angesprochen ist die akute Vergiftung des zentralen Nervensystems durch O2 ein kritischer Punkt. Man stirbt jedoch nicht daran, sondern am Ertrinken durch das Ausspucken des Atemreglers. Die 100% sind definiert über die Einwirkungszeit und den pO2. 100% sind bei reinem O2 auf 6m in 45Minuten erreicht. Dies ist relativ willkürlich festgelegt. Taucher überstehen regelhaft auch einige tausend ZNS% und einige toxen bereits bei 80%. Ich möchte hier keine prinzipielle Abhandlung darüber schreiben, nur sollte man diesem Wert in der Planung Rechnung tragen, aber keinesfalls versuchen mit der Brechstange unter 100 zu kommen. Aus der Praxis heraus empfiehlt es sich während der Bottom-Time den pO2 auf 1.2 oder kleiner zu senken um sich quasi eine Reserve für die Deko aufzubauen. Während der Deko soll sich zwar bewegt werden, heftige Anstrengungen sind jedoch nicht nur zur Vermeidung von DCS wichtig, sondern auch um einen Krampfanfall vorzubeugen. Bei ersten Anzeichen einer Vergiftung (Zucken im Gesicht, plötzlicher Gesichtsfeldverlust (Rotsehen)) muss sofort auf das Gas mit dem geringsten pO2 welches in dieser Tiefe noch atembar ist gewechselt werden. Dies kann durchaus auch das Trimix sein ! Durch geeignete Breakstrategien kann dem Krampfanfall entgegen gewirkt werden.

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10 Welche Vorteile bietet ein hoher Heliumgehalt ?

Laut den klassischen Gewebemodellen ist Helium im Bereich der kurzen Tauchgänge eher nachteilig durch seine hohe Sättigungsgeschwindigkeit. Diese ist mehr als 2,6 mal so schnell. Also berechnen die meisten Programme eine längere Dekompression im Vergleich zu Luft. Es gibt zu Helium im Grundgemisch einige Anmerkungen: Homöopathische Dosen (kleiner als 30%) sind unwirksam, es sollte eine END von 20-30m berechnet werden. Helium dekomprimiert sich in der Praxis wesentlich leichter als Stickstoff. Wenn es jedoch zu Bends kommt fallen diese im allgemeinen wohl etwas übler aus. Viele Taucher haben Angst vor Helium und experimentieren daher zunächst mit sehr geringen Anteilen (10-20%). Das habe ich früher natürlich auch gemacht. Faszinierend ist es jedoch einen Tauchgang auf z.B. 60m zu machen und dabei 50% Helium im Atemgas zu haben. Da dies eine Tiefe ist, in der viele Taucher auch mit Luft schon waren, ist es geradezu merkwürdig wie klar man im Kopf ist. Schnell stellt man auch fest, dass sich He-reiche Gemische unter Druck sehr viel leichter atmen lassen (Strömungen bleiben noch laminar). Dies führt zu besserer Füllung der Lunge und daher hat der Taucher eine effektive Atmung und eine gute CO2-Abgabe. Das Atmen ist auch wenig anstrengend. Extrem deutlich werden alle diese Faktoren, wenn man in dieser Tiefe mal heftig gegen Strömung anschwimmen mußte. Mit Trimix wird das einfach, mit Luft gefährlich.
Da Helium schnell rein geht, geht es auch schnell wieder raus. Daher läßt es sich sehr einfach wieder abatmen. Es ist inzwischen allgemein akzeptiert, dass die Bühlmann-Tabellen für Helium auch ohne zusätzlichen Konervativ-Faktor schon als recht konservativ zu gelten haben. Oder auf deutsch:
Je mehr Helium, desto besser. Die Trends gehen eindeutig in diese Richtung, jedoch fehlen hier die wissenschaftlichen Beweise. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass immer mehr TG in der Offshore-Industrie durch ROVs gemacht werden und das Militär sich bedeckt hält.

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11 Auf welcher Tiefe ist der letzte Stop zu machen ?

Wenn mit reinem O2 dekomprimiert wird (siehe Punkt 8), dann sollte der letzte Stop hauptsächlich auf 6m durchgeführt werden. Der Grund hierfür sind die kleineren Blasen und der hohe pO2 (Oxygen-Window). Da ja keinerlei Inertgase mehr geatmet werden, nehmen wir auch kein weiteres Gas auf. Die letzten 10 Prozent der 6m Deko wird dann auf 3m gemacht. Die Aufstiegsgeschwindigkeiten sind hierbei zu beachten. (siehe Punkt 12).
Es sei noch angemerkt, dass man wenn immer möglich nie die tiefen Dekostops auslassen sollte. Lieber beim Verlust eines Gases (z.B. des EAN50) mit dem Trimix so weit wie möglich ausdekomprimieren. Das Auslassen der tiefen Stops führt zu den schwierigen DCS Fällen.
Im allgemeinen kann man sagen, dass Fehler die auf Tiefe begangen werden, während der flachen O2-Deko fast nicht mehr korrigiert werden können.

Die Auftauchphase vom O2-Stop (6m im Wasser, 9m im Habitat) sollte ebenfalls recht langsam erfolgen. Bei Sättigungsprofilen auch durchaus 30Minuten oder mehr. Im Wasser stehend erfolgt dann die letzte Phase des Abatmung des Heliums.
Siehe dazu Punkt 12 !

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12 Wie wichtig sind die Aufstiegsgeschwindigkeiten ?

Die Aufstiegsgeschwindigkeiten sind extrem wichtig. Tatsächlich sehe ich Diese als einzig echten Nachteil des Heliums an (ausser dem Preis). Eine Aufstiegsgeschwindigkeit von mehr als 10m/Minute kann nur in den unteren 20% des Tiefenprofils gelten. Generell wird aber empfohlen KEINE Aufstiegsgeschwindigkeiten von mehr als 10m/Min zu verwenden. Im Bereich der O2-Deko sollte die Geschwindigkeit maximal so bei 0,5m/Minute liegen.

Letztendlich kann man komplette Dekompression ja nur als einen extrem langsamen Aufstieg ansehen.

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13 Was sind Deep-Stops ?

Deep-Stops gibt es heute in 3 Ausprägungen. Zuerst durch extrem verlangsamte Aufstiegsgeschwindigkeiten. Die zweite Möglichkeit sind die sogenannten Pyle-Stops, benannt nach dem Forscher Richard Pyle. Die dritte Möglichkeit sind die sogenannten WKPP-Stops, benannt nach dem Woodville Karst Plain Project. Die Frage ist, wie tief kann man mit der Dekompression beginnen ? Eine Faustformel besagte früher: Auf der Hälfte der Differenz aus der Grundtiefe und des niedrigsten "normalen" Stops. Heute geht man soweit zu sagen, dass man bereits auf 80% der Tiefe anfängt zu dekomprimieren.  Natürlich nimmt man hier noch zusätzlich Gas auf, also würde eigentlich die Deko verlängern, aber man baut bereits auch in einigen Geweben Gas ab und verringert vor Allem die Mikroblasenbildung. Die Dauer der Stops reichen von einigen Sekunden bis in den "mehrere" Minuten-Bereich.
Insgesamt kann man durch die Verwendung von Deep-Stops die Zeit auf den flachen Stops deutlich verkürzen (fast halbieren). Leider gibt es hierzu wenig wissenschaftliches Material, da die Anzahl der Taucher die hier Kaninchen spielen wollen recht gering ist.
Wenn mich jemand nach einer Formel für WKPP-Stops fragt, so antworte ich meist: Kratz Dich am Hintern, achte auf den Buddy, mache es Dir bequem, achte auf den Buddy und weiter gehts.
Für die die unbedingte ne Formel wollen: Grundzeit in Minuten sind Deepstops in Sekunden.

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14 Wie verhalte ich mich nach dem Tauchgang ?

Unmittelbar nach dem Auftauchen sollte man erst mal an der Oberfläche ein paar Minuten relaxen und das Wasser nicht sofort verlassen (Es sei denn es ist Mega-Wellengang). Es soll dabei von Vorteil sein, dass die unteren Extremitäten dabei noch unter einem gewissen Druck stehen. Wenn möglich, das Equipment am Ufer ablegen, erst mal ne Pause machen und viel trinken. In dieser Zeit den eigenen Körper auf DCS-Symptome überwachen. Ich möchte hier jetzt keine Diskussion über IWR (In Water Recompression)  lostreten, aber den Anzug anzubehalten ist sicher von Vorteil ;-)
Circa 20-30 Minuten nach dem TG erreichen die Blasen Ihr Maximum. Es sollte auf gar keinen Fall ein kurzer Bouncedive unternommen werden, um z.B. Stagetanks zu bergen. Auch kein Apnoetauchen. Hierbei würden die Blasen geschrumpft werden, könnten dann die Lunge passieren und auf der arteriellen Seite wieder Hallo sagen. Sinnvoll ist es auch, sich das Tauchgangsprofil und die Deko zu notieren, damit man mit der Zeit eine Sammlung von funktionierenden Dekos hat. Hierzu bieten sich auch wasserfeste Notizbücher, sogenannte Wetnotes an.

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15 Gibt es Faustformeln zur Verkürzung der Deko ?

Zunächst sollte man sich die Frage stellen, warum man die Deko verkürzen möchte. Verhungert ist unter Wasser ja noch niemand. Allerdings gibt es Grenzen für eine lange Dekompression, wie zum Beispiel Kälte, Gasvorrat, Notfälle, etc. Je länger und tiefer die Tauchgänge werden und je kälter das Wasser wird, desto mehr nervt die unsäglich lange Dekompression. Eine Berechnung mittels eines Standard-Bühlmann ist sicher ausreichend konservativ bei Berücksichtigung aller oben genannten Hinweise. OK, wir wollen es trotzdem schneller haben ?
Hier bleibt nur die Kürzung des letzten Stops. Man berechnet die Deko mit reinem O2 auf 6m und mit 6m als letzten Stop. Diesen Stop kann man dann um 1/3 kürzen. Von den verbleibenden 2/3 zieht man die letzten 10% auf den 3m Stop. Je mehr man kürzt, um so stärker muß die Aufstiegsgeschwindigkeit verringert werden. Auch Punkt 14 wird immer wichtiger. Ich habe mich bisher nicht getraut die tieferen Stops zu kürzen, da mir hier die neurologischen Symptome zu gefährlich sind. Es wird im Allgemeinen auch davon abgeraten ! Wer auch immer Deko kürzen möchte, sollte sich langsam dorthin vortasten.
Die Wahrscheinlichkeit dafür "bestraft" zu werden steigt sicher an, es ist aber machbar und genau um diese Risikoabschätzung geht es hier.
Wird die Deko über sogenannte Gradient-Faktoren geregelt, so haben wir gute Erfahrungen mit 0,1 für GFLo und 1,2 für GF Hi gemacht.

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16 Kann ich während der Deko mal kurz auftauchen ?

Ja klar ! Kommerzielle- und militärische Taucher tauchen auf, obwohl Sie dekompressionspflichtig sind und begeben sich dann an der Oberfläche in eine Kammer um sich wieder rekomprimieren zu lassen. Im Allgemeinen gibt man Ihnen dazu ca. 5Minuten Zeit. Wenn man also seine O2-Stage verloren hat und sich aber sicher ist, daß auf dem Boot eine Ersatzflasche ist, kann man ganz normal mit den Nitroxgemischen bis zum 6m Stop dekomprimieren und sollte dies auch tun. Beim Erreichen des 6m Stops taucht man ganz langsam bis zur Oberfläche auf, gibt den Leuten auf dem Boot Bescheid und taucht wieder ab (auf 6-9m). Hier wartet man dann (am besten an einer Boje/Hebesack) bis man das O2 bekommt. Ich habe diesen Vorgang schon öfter in Seen praktiziert, um mir ein langes Schwimmen an der Oberfläche zum Ausstieg zu ersparen. Bei anschließenden Dopplertests wurden keine vermehrten Blasen gehört. Die aufgetauchte Zeit wird an die Dekozeit angehängt.
Das Verständnis dieser Möglichkeit des Auftauchens ist insbesondere bei Notfällen wichtig. Man kann seinen verunfallten Buddy (z.B. OxTox) problemlos nach oben weitergeben, das Boot informieren und dann wieder abtauchen. 5 Minuten sind sicher viel, aber 2-3 Minuten problemlos machbar.

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17 Was sollte man während der Deko vermeiden ?

Istotonische Muskelanspannungen über einen längeren Zeitraum, also sich irgendwo festklammern zum Beispiel, da sonst der Gasaustausch behindert wird. Husten, Pressen und Druckausgleich durch Valsalva-Manöver, weil sich sonst Gasblasen in den arteriellen Bereich durchmogeln können. Untätiges Rumhängen, wenn die Grundzeit anstrengend war. Es ist dann wesentlich effektiver gemütlich hin und her zu schwimmen und kleinere Lockerungsübungen zu machen. Und natürlich sollte alles vermieden werden, was zu einem Abbruch der Deko führen könnte, wie z.B. seinem Buddy die Ventile zuzudrehen, um zu sehen, ob er schnell genug reagiert. ;-)

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Michael Waldbrenner                                                                        zurück zu Micha´s Tekkie-Homepage
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Stand: 16. Juli 2002.